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DER KRIEG IST VORBEI, VORBEI UND NOCHMALS VORBEI...

film-zeit Thema: DER KRIEG IST VORBEI, VORBEI UND NOCHMALS VORBEI...
Autor Henrik Amme
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Traumatische Kriegserfahrungen im US-amerikanischen-Kino der Gegenwart

"I do solemnly swear that I will support and defend the Constitution of the United States against all enemies, foreign and domestic; So help me God." (Amtseid der US-Armee)

Viele Wege führen in den Krieg. Die USA ist schließlich eine offene und pluralistische Gesellschaft. Der Eine mag sich aus Patriotismus oder des Geldes wegen verpflichten. Der Andere zieht aus Gründen der traditionellen Fortsetzung seiner schon "immer" kämpfenden Vorfahren in den Krieg. Es geht sogar soweit, dass Menschen kriegsbeschönigende Filme sehen, die vom US-amerikanischen Verteidigungsministerium finanziell unterstützt und inhaltlich kontrolliert werden - wie zum Beispiel PEARL HARBOR (2001), BLACK HAWK DOWN (2001) , WIR WAREN HELDEN (2002) oder TOP GUN (1986) - und sofort wissen: "Das will ich auch machen." Wo die Menschen im Wohlstand leben bedarf es dem Anschein nach solcher subtilen Willenslenkungen. Die Werbekampagnen der US-amerikanischen Armee reichen von kostenlosen Computerspielen, die ein Bild vom Krieg liefern sollen, über auf dem Uni-Campus oder per SMS angebotene Berufsperspektiven bis hin zum verlockenden Fang durch 25.000 Dollar Begrüßungsgeld.

Der Amtseid eines jeden Soldaten ist das Bindemittel für die einheitliche Zielstellung oder die bedingungslose Gehorsamkeit. Im unmittelbaren Kriegseinsatz bestimmt die Gruppendynamik den Zusammenhalt. Sobald der Krieg für eine militärische Einheit vorüber ist und sich die Soldaten auf dem Weg in die Heimat begeben, schwindet die Kraft des kollektiven Ein-Ziel-Ein-Feind-Kleisters. Dann ist Zeit für die Betrachtung seiner selbst, seiner Rolle und Taten im Krieg. Für etwa jeden fünften endet der Krieg dabei immer und immer wieder. Kurz: Der Krieg ist vorbei, vorbei und nochmals vorbei.

Statistischen Erhebungen nach leiden etwa 20 Prozent der an der "Operation Iraqi Freedom" teilnehmenden Soldaten an Depressionen, Angstzuständen oder posttraumatischen Belastungsstörungen. Für die Entscheidung eines Menschen in den Krieg zu ziehen, gibt es in demokratischen Gesellschaften kaum einheitliche Motive. Haben die Rekruten erst einmal das berüchtigte Boot Camp der Marines hinter sich, sind sich die Soldaten einig: Der Feind ist böse und muss besiegt werden. Stanley Kubrick hat uns die Mechanismen, wie aus Menschen Monster des Krieges werden. in seinem Film FULL METAL JACKET (1987) mit harten und wahren Worten beschrieben. Die Rekruten werden vom Sergeant Ronald Lee Ermey - einst selbst echter Marine - zu kampfwilligen Kriegern "herangezüchtet". Die perfektionistische Filmsprache Stanley Kubricks täuscht jedoch häufig über das tatsächliche Gesicht der Kriegsausbildung hinweg. Es werden wenige subtile Erfahrungen des Vietnamkrieges eingefangen.

Die Demokratisierung nach westlichen Wertemustern als die beste Verteidigungspolitik zu betrachten, ist verhängnisvoll. Im benebelten Taumel der Anschläge vom 11. September 2001 stößt das erklärte Ziel der USA interventionistisch gegen den internationalen Terrorismus vorzugehen auf eine ausreichende Legitimationsbasis. Die Invasion im Irak startete am 20. März 2003. Offiziell hat die US-Regierung erklärt, größere Kampfhandlungen im Mai 2008 einzustellen. Die Zahl der getöteten Zivilisten ist unklar. Etwa 84.000 Zivilopfer wurden allein von den Medien erfasst – die tatsächliche Todeszahl liegt Vermutungen zufolge sehr viel höher. Bisher kamen etwa 14.000 Soldaten ums Leben, ungefähr 4.000 von ihnen waren US-Amerikaner. Daneben zählen außerdem noch über 30.000 verwundete US-Soldaten zu der erschreckenden Bilanz dieses Krieges. Fünf Jahre später, die unmittelbare Erregung ist verflacht, müssen die US-Amerikaner den Konsequenzen ins Auge blicken. Ein Krieg in weiter Ferne hat die USA im eigenen Land erreicht und auf beiden Seiten mehr Leid als Heil gebracht.

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